„Transit – Von Herz zu Herz“

Transit, der gegenwärtige Themenschwerpunkt des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, bestimmt auch 2016 die Programmgestaltung der Fränkischen Musiktage Alzenau. Nahe legt dies ein tiefgreifendes transitorisches Ereignis, dessen 200-jähriges Jubiläum die Stadt 2016 begeht: die Zuordnung zum damaligen Königreich Bayern.

Dieser im Münchner Vertrag von 1816 festgelegten Regelung gedenken die betroffenen Kommunen unserer Region in einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Aufbruch und Wandel – Unterfranken 1816 – 2016“, der auch die Fränkischen Musiktage ein Podium für Veranstaltungen bieten.

Zweifellos ist „Transit“, sichtbar insbesondere in den Flüchtlingsbewegungen, eine unsere Zeit dominierende Erscheinung. Menschen sind gezwungen, ihren feindlichen Lebensraum zu verlassen und Zuflucht im Lebensraum Anderer zu suchen. Hier, nach meist lebensgefährlichem Transit angekommen, steht mit dem Zueinanderfinden kulturell verschieden sozialisierter Menschen ein weiterer Transit von nicht weniger existentieller Bedeutung bevor.

Zeigt sich dieser Integrationsprozess auf den ersten Blick insbesondere von der Partizipation an den materiellen Faktoren der Lebensgestaltung, wie Arbeit, Bildung, Wohnen etc. geprägt, so ist unstrittig, dass letztlich nur gemeinsame Identität gelingendes Zusammenleben sichern kann.

Kultur, insbesondere die „Weltsprache“ Musik, gilt hierbei als bestimmende Kraft.

So beauftragt die UNESCO Paul Claudel und Paul Hindemith 1952 mit der Dichtung und Komposition einer Kantate, die „die Entwicklung der Brüderlichkeit und des Verständnisses zwischen den Völkern durch das Mittel der Künste im Allgemeinen, der Dichtung und Musik im Besonderen repräsentiert“. Das Werk soll, aufgeführt von jungen Musikern aus aller Welt, zum Abschluss der internationalen Bildungskonferenz von Brüssel eine Friedensbotschaft in die Welt des Kalten Krieg senden.

Die ungeheure gemeinschaftsbildende Kraft, die der Musik seit Platon vielfach unterstellt wird, bestätigen uns heute auch EEG-Untersuchungen an gemeinsam Musizierenden, deren Hirnströme frappierende Übereinstimmungen zeigen.

Freilich ist der Weg zum Gleichklang steinig. Shakespeares Romeo und Julia erreichen ihn mangels Musik erst im Tod, dagegen vermag Kleists „Cecilie“, dieses Schicksal durch „die Gewalt der Musik“ zu verhindern. Wenn Faust Wagner prophezeit „Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen, wenn es euch nicht von Herzen geht“, verweist er auf die Quelle, die seit Jahrhunderte alter Überzeugung der Musik ihre große einigende Kraft verleiht.