„Alle Menschen werden Brüder“

1972 wählen die 47 Nationen des Europarates Beethovens Melodie zu Schillers „Ode an die Freude“ zur Europahymne, 1985 wird sie auch Hymne der Europäischen Union. Die Begründung dieser Entscheidung, die Komposition symbolisiere die europäischen Werte „Freiheit, Frieden und Solidarität“, betont die Symbiose, die Schillers Worte „Alle Menschen werden Brüder“ und Beethovens Töne untrennbar vereint. Derart verinnerlicht, vermag die Musik diese Botschaft nun wortlos-instrumental in allen Ländern und Sprachen gleichermaßen zu verkünden und wirksam werden zu lassen.

Zu verstärktem Engagement mahnen 2014 markante Gedenktage einschneidender Ereignisse unserer jüngeren Geschichte. Dem Beginn des I. Weltkrieges vor 100 und des II. Weltkrieges vor 75 Jahren folgt nach zwei Katastrophen mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 ein Signal der Hoffnung, das ein Beethoven-Schillersches Etappenziel markiert. „Cantique de l’Esperance – Gesang an die Hoffnung“, eine Kantate von Paul Claudel und Paul Hindemith thematisiert dies bereits 1953. Das Auftragswerk der UNESCO soll deren Ideale repräsentieren: „die Entwicklung der Brüderlichkeit und des Verständnisses zwischen den Völkern durch das Mittel der Künste im Allgemeinen, der Dichtung und Musik im Besonderen“.

Jahrzehntelang unbeachtet, erklang diese Komposition erstmals 2013 wieder anlässlich der 38. Fränkischen Musiktage.

Ihrem Geist folgend blickt nun das Festival 2014 unter anderem auf ein Ereignis des Weihnachtstages 1914 an der flandrischfranzösischen Westfront, als die Kriegsgegner ihre Kampfhandlungen für mehrere Tage einstellen, um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. Statt so genannter „August-Parolen“: „jeder Stoß ein Franzos, jeder Tritt ein Britt“, erklingt nun mehrsprachig-gemeinsam: „schlafe in himmlischer Ruh“.

Die bizarre Stimmung dieses Geschehens, in zahlreichen Soldatenbriefen eindrücklich dokumentiert, lässt ein im Auftrag des Internationalen Chor Forums entstandenes Chor- Orchesterwerk des Komponisten Stephan Adam wieder lebendig werden: „Christmas Truce – Weihnachtsfriede 1914“

Für dessen Aufführungen kommen nun junge MusikerInnen und SängerInnen aus damals kriegsbeteiligten Ländern in großer Zahl hier zusammen und bringen damit, der UNESCO folgend, ihr Vertrauen in die gemeinschaftsbildende Kraft von „Dichtung und Musik im Besonderen“ zum Ausdruck.