„Transit – Übergang und Verwandlung“

In den Kompositionslehren des 17. und 18. Jahrhunderts ist der „Transitus“, die musikalisch-rethorische Figur des Übergangs, aus deren Spannung die Energie zu Neuem entwächst.

Im 20. Jahrhundert konkretisiert der französische Anthropologe Marc Augé diese Metapher, wenn er, Michel de Certeau folgend, Transit als Nicht-Ort beschreibt, der zwar Veränderung in toto tradieren, nicht aber eine spezifisch-eigene Historie entwickeln kann.

Die Fränkischen Musiktage Alzenau greifen, nach „Impuls Romantik“, mit dem Thema „Transit“ 2015 erneut ein Projekt des Kulturfonds Frankfurt RheinMain auf, fokussieren den Blick jedoch auf „Übergang und Verwandlung“, zwei zentrale Aspekte des Phänomens.   

Markante Merkmale legen dies nahe! Insbesondere die historischen Spielstätten des Fes-tivals, selbst Orte und Auslöser Jahrhunderte währenden Transits, bieten vielfach authentisches Ambiente.

So repräsentiert die kurmainzische Burg Alzenau aus dem 14. Jahrhundert, die damalige und noch in den heutigen Landesgrenzen erkennbare kleinstaatliche Struktur der Region.

„Maria zum rauen Winde“, eine der wenigen Wallfahrtskirchen in Rhein-Main, ist Zeichen christlicher Pilgertradition, und das Schlösschen Michelbach Prototyp eines Landgutes, das im 18. und 19. Jahrhundert vielerorts vitale Pflegestätte städtischer Salonkultur ist.

Neben diesen steinernen Zeugen von Transit, rücken 2015 zudem gewichtige Jahrestage
diese Thematik ins Blickfeld.

So fand vor 70 Jahren mit dem zweiten Weltkrieg zwar eine der schlimmsten Ursachen erzwungenen Transits in der Weltgeschichte ihr Ende, deren Auswirkungen sind jedoch bis in die Gegenwart schmerzlich spürbar.

Ein einzigartiges Symbol der Hoffnung ist hingegen das Jubiläum „50 Jahre Diplomatische Beziehungen Israel-Deutschland“, bezeugt es doch die ungeahnte Kraft, die menschlicher Wille zur Versöhnung selbst in ausweglos scheinender Situation entwickeln kann.

Im 40. Jahr ihres Bestehens bestätigt dies den Fränkischen Musiktagen Alzenau die Aktualität ihres Gründungsziels, internationaler Treffpunkt junger Künstler in der Rhein-Main-Region und Ort der Musik im Zeichen der Völkerverständigung zu sein.

In Verbindung mit „Die Tore Jerusalems“, ein Projekt des Internationalen Chor Forums anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Diplomatische Beziehungen Deutschland – Israel“ (2015)

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