Motto des Jahres

Transit – „...vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es...“

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Johann Wolfgang v. Goethe:
Gesang der Geister über den Wassern

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,

Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das
Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

Mutmaßlich parallel zur Erkenntnis der Vergänglichkeit irdischen Daseins entsteht die Hoffnung des Menschen auf ein Weiterleben in anderen Sphären. Laut paulinischer Überzeugung erfüllt sich dies im Glauben an Jesus Christus, der den fleischlichen Menschen geistlich beseelt.

Nur die Seele, nach Hegel „Totalität der Natur“, nach Goethe dem Wasser gleich, vermag Zustand und Ort wechselnd zu existieren.

Die Musik spielt in den Vorstellungen des sphärischen Transits seit der Antike eine zentrale Rolle, gelingt es Orpheus doch mit ihrer Hilfe, auch leiblich die Grenze zur Unterwelt zu überwinden.