Motto des Jahres

Perspektiven

Ein Beitrag zum Themenschwerpunkt „Erzählung.Macht.Identität.“ des Kulturfonds Frankfurt RheinMain

Das Jahr 2020 sollte in Deutschland ganz im Zeichen der Kunst- und Geistesgeschichte stehen, gaben die 250. Geburtstage Beethovens, Hegels und Hölderlins doch gewichtigen Anlass, jene so einflussreichen Protagonisten des  deutschen Idealismus öffentlich zu feiern und in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken.

Niemand konnte im Vorfeld dieser Jubiläen ahnen, dass 2020 möglicherweise zum Jahr 1 eines heraufziehenden Corona-Zeitalters, und damit das schiller-beethoven'sche Bild sich umschlingender Millionen zum Gefahrenszenario werden könnte.

DISTANZ HALTEN – die tradierte pandemische Schutzmaßnahme ist nun von den Menschen gefordert, jenen Geschöpfen, denen bereits die biblische Schöpfungsgeschichte bestätigt, dass es nicht gut sei, dass sie allein seien.

Physisch distanziert – im Geist verbunden, lautet damit das Paradigma neu zu entwickelnder Perspektiven. Auf benachbarten Balkonen distanziert-gemeinsam singende Menschen haben dies bereits als Spontanausprägung sichtbar werden lassen.

Als hätten sie das Dilemma vorhergesehen, geben die diesjährigen Jubilare ermutigende Orientierung. „Wo aber Gefahr ist, wächst/Das Rettende auch“ formuliert Friedrich Hölderlin zu Anfang der dem Landgrafen von Homburg gewidmeten Hymne „Patmos“.

"…allein Freyheit, weiter gehn ist in der Kunstwelt, wie in der ganzen großen schöpfung, zweck“, pflichtet Beethoven in einem Brief an seinen Freund und Gönner Erzherzog Rudolph bei.  

Die 45. Fränkischen Musiktage Alzenau 2020 greifen diese Impulse auf, halten Ausschau nach Perspektiven künftigen Zusammenlebens, und richten hierbei in bewährter Kooperation mit dem Festival VOCAL ART Frankfurt RheinMain den Fokus auf dessen diesjähriges Thema, Distanz – Kunst – Kommunikation, das Hölderlins These „…dichterisch, wohnet der Mensch auf dieser Erde“ unter Pandemiebedingungen beleuchtet.